Von Anfang an dabei

1920 - 1930

Das Handballspiel – 1919 gerade frisch nach den Ideen des "Vater des Handballspiels" Turnlehrer Karl Schelenz in Berlin zum Männersport weiterentwickelt – traf auf seiner Erfolgstour recht früh die Herzen der Godesberger Sportler. Unser damaliger Oberturnwart Simon Baum lernte bei einem Lehrgang an der Turnschule Berlin den späteren Trainer der Nationalmannschaft Schelenz kennen und brachte die Idee zum Handballspiel mit an den Rhein.

Schon im März 1920, nur wenige Tage nachdem in Berlin am 1. Februar in der Halle und am 22. Februar auf dem Feld die allerersten Handballspiele für Männer stattgefunden hatten, entschlossen sich - vor mittlerweile über 90 Jahren - Simon Baum und andere Mitglieder des Godesberger TV, diese neue Sportart in das Sportprogramm des Vereins aufzunehmen. Erster Handballobmann unserer Abteilung wurde Peter Bleffert (1920-1923). Ihm folgte Peter Berchem (1924-1933), der später auch Schiedsrichterwart und Kreisfachwart wurde.

GTV 1. Herren 1920
Die allererste 1. Mannschaft des Godesberger TV im Jahre 1920.

Der Godesberger TV war damit im damaligen Sieg-Rhein-Gau, der zu dieser Zeit regional das Gebiet der heutigen Turnverbände Rhein-Sieg/Bonn und Köln (nur bis 1922) sowie Teile der heutigen Turngaue Rhein-Westerwald und Rhein-Ahr-Nette umfasste, der erste Verein, der seinen Mitgliedern das Handballspiel ermöglichte.

     
Der Turnkreis VIIIb Rheinland umfasste seit der Aufteilung des Rheinisch-Westfälischen Turnverbands (Turnkreis VIII) 1898 räumlich die Regierungsbezirke Aachen, Köln und Düsseldorf. Der Sieg-Rhein-Gau bestand aus fünf Turngaubezirken. Auf dem dem Gauturntag am 15. Januar 1922 trennten sich die Turngaubezirke I, IIa und IIb (Köln und Umgebung) ab und bildeten den neuen Turngau Köln. Im Sieg-Rhein-Gau verblieben die Turngaubezirke III (Rhein), IV (Siebengebirge) und V (?).

Unterstützt durch Sportlehrer Karl Gröschner vom evangelischen Pädagogium Godesberg wurde die erste Mannschaft im Godesberger TV aufgebaut. Die Spieler kamen aus den Reihen der Leichtathleten und der Schlagballmannschaft. Trainiert wurde nach der Spielordnung der Deutschen Turnerschaft auf dem Sportplatz des Pädagogiums. Gegen eine Mannschaft der Schule wurde am 18. April 1920 das erste Testspiel ausgetragen und mit 3:2 gewonnen.

     
Das Schlagballspiel ist ein Kampfspiel, bei dem sich zwei Parteien von je zwölf Spielern gegenüberstehen. Gekämpft wird um das Schlagrecht und die höhere Punktzahl nach einer festen Spieldauer von einer Stunde. Das Spiel gilt als Vorläufer des Baseballspiels. Deutsche Meisterschaften gab es bis 1954. Von dem einst verbreiteten Wettkampf ist heute fast nur noch der Schlagballweitwurf bei den Bundesjugendspielen übrig geblieben.

Die Männer der ersten Stunde (Karl Gröschner, Michael Schmitz, Lambert Bergmann, Ferdinand Piel, Josef Schmidt, Peter Adams, August Krätzer, Jean Münch, Peter Berchem, Kühne und Lambert Roperz) spielten bereits im Juni 1920 erstmals gegen eine auswärtige Mannschaft. Da im eigenen Bezirk noch keine anderen Vereine Handball spielten, kamen die nächsten Gegner aus dem Koblenzer Bezirk. Erster Gast waren die Spieler des TV Feldkirchen. Schiedsrichter der Partie war der spätere Godesberger Torwart Walter Klausmeister. Zwar ging das Spiel knapp mit 1:2 verloren, dies tat der weiteren Entwicklung jedoch keinen Abbruch.

Der Anfang war gemacht. Auch die nächsten Gegner kamen aus dem benachbarten Turngaubezirk Koblenz: TV Neuwied-Grömmersdorf, TB Andernach, TV Mülheim, TV Neuwied und TV Koblenz-Lützel. Mit der von diesen Vereinen erlernten Spielauffassung bestritt der Godesberger TV innerhalb des Sieg-Rhein-Gaus Werbespiele, die sich so günstig auswirkten, dass dadurch die Zahl der Mannschaften in unserem Bezirk ständig anstieg. Bald waren daher Meisterschaftsspiele auf Gauebene möglich.

Am 28. November 1920 fand mit 91 Mannschaften der erste Spieltag der Handballmeisterschaften der Deutschen Turnerschaft statt. 1921 wurden die ersten Meistertitel der Deutschen Turnerschaft bei Männer und Frauen vergeben. Im Folgejahr fanden dann die ersten Meisterschaften der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik sowie des Arbeiter Turn- und Sportbundes (ATSB) statt.

1922 wurden auch die beiden ersten Jugendmannschaften im Godesberger TV aufgestellt.

GTV 1. Herren 1920
Die Godesberger Spieler immer gut zu erkennen an der Godesburg auf der Brust.

Ende 1922 begann im Sieg-Rhein-Gau die erste Meisterschaftsrunde mit den Mannschaften: Siegburger TV, Sieglarer TV, TV Buisdorf und Pädagogium Godesberg sowie zwei Mannschaften des Godesberger TV.

1923 trennten sich die Wege der Deutschen Turnerschaft und der Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik endgültig. Bis 1933 wurden von beiden Vereinigungen unabhängig von einander Handball-Meisterschaften ausgetragen. Auf der Handball-Tagung am 13. Oktober 1923 in Berlin legte die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik Handballregeln fest. In den rivalisierenden Turn- und Sportverbänden (Deutsche Turnerschaft, Deutschen Sportbehörde für Leichtathletik, Arbeiterturn- und -sportbund sowie verschiedenen konfessionellen Sportverbänden) wurden bis zur Festlegung von Regeln durch die International Amateur Handball Federation (IAHF) im Jahre 1928 Meisterschaftsspiele nach unterschiedlichen Regeln ausgetragen.

Bis zur Saison 1924/1925 konnte der Godesberger TV fünfmal in Folge den Gaumeistertitel (auf heutige Verhältnisse übertragen am ehesten vergleichbar mit der Mittelrheinmeisterschaft) erringen. Erst in der Spielzeit 1925/1926 wurde der Godesberger TV vom alten Rivalen TuS Niederpleis abgelöst.

GTV Herren mit den Gästen des TV Oberbilk an Pfingsten 1925
Die Mannschaften des Godesberger TV und des TV Oberbilk Pfingsten 1925.

Im August 1926 wurde in Den Haag innerhalb der International Association of Athletics Federations (IAAF), dem Dachverband der nationalen Sportverbände für Leichtathletik, eine Handballkommission gegründet. Zwei Jahre später, am 4. August 1928, wurde in Amsterdam – im zeitlichen Zusammenhang mit den dortigen Spielen der IX. Olympiade – die International Amateur Handball Federation (IAHF) ins Leben gerufen.

Festumzug der Godesberger Vereine
Ende der 1920er Jahre gehörten die Godesberger Vereine zum Straßenbild. Bei einem Festumzug durch die alte Godesberger Innenstadt trugen die Handballer (links im Bild in der weißen Kleidung der Turner) die Vereinsfahne des Godesberger Turnvereins.

Bereits beim zehnjährigen Bestehen der Handballabteilung 1930 war diese mit zeitweise fünf Mannschaften aus dem Vereinsleben des Godesberger TV nicht mehr wegzudenken.

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