Jähes Ende einer erfolgreichen Aufbauphase

1930 - 1945

Nach nur zehn Jahren Aufbauarbeit gehörte unsere Handballabteilung Ende der 1920er Jahre nicht nur zahlenmäßig zu den größten Handballvereinen, sondern war auch einer der leistungsstärksten im Köln-Bonner Raum.

Damals wurden die Spiele auf dem alten Pionierplatz (Godesberg-Nord) ausgetragen. Trafen dort die Godesberger auf eines der Kölner Spitzenteams, so verfolgten nicht selten 800 und mehr Zuschauer das Geschehen auf dem Feld.

Zum 10-jährigen Bestehen der Handballabteilung wurde vom 4. bis 11. Mai 1930 eine "Handballwerbewoche" durchgeführt, die mit einem Kommers im Saal der "Tonhalle" beendet wurde. In diesem Rahmen kam es anlässlich der gleichzeitig stattfindenden "1000-Jahrfeier des Rheinlandes" auf dem Sportplatz in Mehlem auch zu einem Städtespiel zwischen Godesberg und Köln. Die Godesberger Mannschaft, die aus Spielern des Godesberger TV und des Pädagogium Godesberg bestand, verlor das Spiel mit 2:4.

 
1931 wurde in folgenden Spielklassen gespielt: Gauklasse, Bezirksklasse, A-Klasse, B-Klasse, C-Klasse. Der Erst- und Zweitplatzierte der Gauklasse startete in der Vorschlussrunde zur Deutschen Meisterschaft.
1933 erfolgte die Aufteilung des bisherigen Sieg-Rhein-Gaus in den Sieg-Gau und den Rhein-Ahr-Gau.
Nach den neuen Bestimmungen der Regierung und des Reichssportführers von 1933 waren alle gewählten Vereinsvorstände aufzulösen und ein „Vereinsführer“ zu ernennen, der dann die übrigen Fachwarte und Vereinsmitarbeiter bestimmt. Die entsprechende Mitgliederversammlung des Godesberger TV fand am 19. Mai 1933 statt.
1933 wurde der Deutsche Reichsausschuss für Leibesübungen (DRA) aufgrund der geänderten politischen Bedingungen in Deutschland aufgelöst. Die Aufgaben gingen an den 1934 neu gegründeten Deutschen Reichsbund für Leibesübungen (DRL, ab 1938 Nationalsozialistischer Reichsbund für Leibesübungen - NSRL) über. Die deutschen Sportverbände wurden aufgelöst oder gingen im DRL auf. Die Deutsche Turnerschaft fungierte ab 1934 innerhalb des DRL als Fachamt 1 Turnen. Die Deutsche Sportbehörde für Leichtathletik bildeten zunächst das Fachamt 3 Leichtathletik und Handball. Später wurde Handball eigenständig im Fachamt 4 bearbeitet. Der konfuse Kompetenzstreit der deutschen Verbände um das Handballspiel wurde durch die (jedoch aus anderen Gründen vorgenommene) Gleichschaltung des Sports beendet.
Nach der Neuorganisation der Sportstrukturen in Deutschland im Jahre 1934 umfasste der Reichsbundgau XI Mittelrhein räumlich die Regierungsbezirke Aachen, Köln, Koblenz und Trier und bestand aus drei Bezirken, Bezirk 1 (Köln), Bezirk 2 (Koblenz) und Bezirk 3 (Trier). Der Bezirk 1 unterteilte sich in die Kreise: 1. Kreis (Köln und Landkreis Köln), 2. Kreis (Oberbergischer Kreis und Teile des Rheinisch-Bergischen Kreises), 3. Kreis (Siegkreis und Teile des Siegerlandes) und 4. Kreis (Bonn und Euskirchen).

Nachfolger von Peter Berchem als Handballobmann wurde Fritz Wilke (1933-1940). Willi Werth, der spätere Vorsitzende (1948-1969) und Ehrenvorsitzende des Godesberger TV, war 1933 Gauhandballobmann, 1934 Gauspielwart und von 1936 bis 1939 Kreisfachwart.

GTV 1. Herren 1933
Mit einem deutlichen 10:3 endete am 26. März 1933 das Spiel zwischen dem Godesberger TV 1 und dem TV Endenich 1.

Auf bestem sportlichem Niveau ging es ins zweite Jahrzehnt des Bestehens. 1935 erkämpften sich die Handballer den Aufstieg zur Bezirksklasse und die Jugendmannschaft den Titel eines „Kreisjugendbesten“. 1936 erreichte der Godesberger TV sogar die Vorschlussrunde im Gaupokal. In der Spielzeit 1938/1939, der letzten Saison vor dem zweiten Weltkrieg (1939-1945) verhinderte nur eine knappe 3:4-Niederlage beim TV 02 Siegburg-Mülldorf (1973 umbenannt in VfL Sankt Augustin 1902) den Aufstieg in die Gauklasse, der damals höchsten Spielklasse.

GTV gegen TV Spich 1937
Die Mannschaften des Godesberger TV am 10. Januar 1937. Der Gegner an diesem Tage: TV Spich.

Der Weltkrieg führte dann aber zum kompletten Zusammenbruch des Spielbetriebs und sorgte für ein jähes Ende einer erfolgreichen Aufbauphase. Auch das Vereinsleben kam nahezu vollständig zum Erliegen. Der Krieg forderte seinen Tribut: Viele junge Turnbrüder verloren ihr Leben.

Bestehende Vereinssatzungen wurden 1941 ungültig. Die Vereinsführer der Turn- und Sportvereine hatten eine einheitliche Satzung nach Muster des Nationalsozialistischen Reichsbundes für Leibesübungen (NSRL) zu beschließen, welche zusätzlich dem zuständigen Sportbereichsführer zur Genehmigung vorzulegen war. Mit dieser Satzung wurden die Vereine mit allen ihren Mitgliedern dem NSRL angeschlossen. Gleichzeitig wurde allen Personen, die „nicht deutschen oder artverwandten Blutes oder solchen gleichgestellt sind“, das Mitgliedsrecht aberkannt.

 Erst im Februar 1946 sollte es wieder los gehen.

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