Der Godesberger Turnverein feiert sein 125. Gründungsjubiläum

Vom Kaiserreich ins 21. Jahrhundert

Schon lange ist der Godesberger Turnverein 1888 e.V. eine tragende Säule im Sportangebot von Bad Godesberg.
Was am 21. Januar 1888 durch das Engagement von zwölf turnbegeisterten Männern im Gasthof "Aennchen", der später berühmten Lindenwirtin, bescheiden begann, ist in 125 Jahren zum größten Turnverein im Bonner Süden mit derzeit fast 2000 Mitgliedern - Tendenz steigend - herangewachsen.
Als 2011 Prof. Dr. Manfred Zachcial von Johannes Wandt den Vorsitz übernahm, hatte er 18 Vorgänger, darunter Helga Klumb als einzige Frau.
Von Beginn an war der GTV auch immer wieder Auslöser zahlreicher neuer Entwicklungen.
So wurde schon bei der Gründung des Vereins die Absicht geäußert, eine Turnfeuerwehr aufzustellen. Dieser Plan wurde 1889 in die Tat umgesetzt und legte den Grundstein für die heutige städtische und freiwillige Feuerwehr.
Mit dem Wassersportverein Godesberg 1909/11 e.V. haben die Godesberger Turner ebenfalls einen Abschnitt der gemeinsamen Entwicklung. Zunächst hatten die Turner an heißen Tagen die Übungsstunden in das schwimmende Flussbad im Rhein an der Bastei verlegt. Daraus entwickelte sich die Idee, eine eigene Schwimmabteilung zu bilden. Schnell kam das Rudern hinzu und 1911 machte man sich selbstständig.
Auch der Godesberger Karneval hat eine Wurzeln im GTV: Seit 1893 veranstaltete man regelmäßig Karnevalsveranstaltungen. Diese Tradition endete nach über 40 Jahren mit Beginn des "Dritten Reiches". Sportvereinen wurde untersagt, karnevalistische Aktivitäten zu entwickeln. Mit der Freude am Karneval und der Findigkeit der Godesberger Turner hatte das Regime indes nicht gerechnet. Zur Umgehung des Verbots gründeten die Karnevalisten des Vereins 1937 einen eigenständigen Karnevalsverein der seither als „Godesberger Stadtsoldatenkorps 1893" firmiert. Das Gründungsdatum verweist auf die älteste dokumentierte Karnevalsveranstaltung der Godesberger Turner und damit auf die gemeinsame Wurzel.
Vieles hat sich seit den Gründungsjahren verändert. Was zunächst nur für Männer, wenig später auch für Knaben angebracht schien, entwickelte sich erst in den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts zu einer umfassenden Sportbewegung: Die Damen durften jetzt auch „turnen", selbstverständlich schicklich gekleidet. Neue Sportarten kamen hinzu. Der Handballsport wurde ab 1920 als neue große Sportart im Godesberger Turnverein als erstem Sportverein in der ganzen Region angeboten und populär gemacht. Die Abteilung Handball ist heute noch immer eine der größten des Vereins.
Nachdem sich die erste Schwimm- und Ruderabteilung im Jahre 1911 selbständig gemacht hatte, wurde eine neue gegründet, ebenso - noch vor dem Schicksalsjahr 1933 - eine Tischtennis-Abteilung.


Der Verein wuchs stetig und hatte in den siebziger und achtziger Jahren des letzten Jahrhunderts zeitweilig über 2.500 Mitglieder.
Nicht alle Sportarten konnten auf Dauer gehalten werden. Sei es, dass der Trend sich änderte, sei es, dass Ehrenamtler, die vielfach eine Sportart "im Alleingang" organisiert hatten, ihr Engagement nach zwanzig oder mehr Jahren reduzieren mussten. Auch der Regierungsumzug nach Berlin hinterließ seine Spuren im GTV.
Nachdem sich der Verein seit Anfang der siebziger Jahre verstärkt in Richtung Leistungssport orientiert hatte, war es in einigen Fällen sogar der Erfolg, der die Finanzen des Vereins überforderte. So schaffte die Basketballabteilung in der Saison 1986/87 den Aufstieg in die Bundesliga. 1991 folgte der Zusammenschluss mit den Baskets der SC Fortuna Bonn und man ging fortan eigene Wege in Richtung Profisport, an deren Ende die heutigen Telekom-Baskets Bonn stehen.
Seit den neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts lag ein Schwerpunkt des Sportangebots im Bereich Gesundheitssport. Verstärkt wurden in diesem Bereich nun auch Kurse für Gäste angeboten. Später kamen Tanz und Trendsport hinzu.
Heute ist der GTV ein moderner Mehrspartenverein mit über 1900 Mitgliedern. Er  bietet Freizeit- und Wettkampfsport in 13 Sportarten und ein vielfältiges Kursangebot für Vereinsmitglieder und Gäste in über 20 verschiedenen Übungsstätten überall in Bad Godesberg.
Wettkampfsport wird erfolgreich in den Bereichen Handball, Leichtathletik, Gerätturnen, Badminton, Volleyball und Rope Skipping betrieben, letzteres gibt es im Bonner Raum nur im GTV.
Breiten- und Freizeitsport beginnt schon im Kleinkinderalter und hört erst im hohen Erwachsenenalter auf. Kurse im Gesundheits-, Trend- und Tanzsport bereichern ebenso das Programm wie die Vorführgruppen Stepp Aerobic, Rope Skipping und Orientalischer Tanz.
Gefeiert wird das runde Jubiläum unter der Schirmherrschaft von Oberbürgermeister Jürgen Nimptsch mit einem Festkommers am 26. Januar in der Stadthalle Bad Godesberg, zu dem als Festredner der DTB Präsident Rainer Brechtken erwartet wird. Im Verlauf des Jubiläumsjahres werden sich daran noch weitere Veranstaltungen anschließen, unter anderem eine große Sportshow am 20. April im Sportpark Pennenfeld.

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